Die Cap San Diego: 40 Jahre Museumsschiff in Hamburg
Die Cap San Diego liegt an der Überseebrücke, weiß und lang gestreckt, zwischen Elbphilharmonie und Landungsbrücken. In diesem Jahr feiert sie ein Doppeljubiläum: 40 Jahre Museumsschiff und 65 Jahre seit der Kiellegung. Am 19. Juni bin ich bei einer Sundowner-Fahrt auf der Elbe mitgefahren.

Der weiße Schwan des Südatlantiks
1961 wurde ihr Kiel gelegt, und am 15. Dezember 1961 lief sie bei der Deutschen Werft in Hamburg-Finkenwerder vom Stapel, gebaut für die Reederei Hamburg Süd. Sie gehört zu einer Serie von sechs schnellen Stückgutfrachtern und ist das einzige Schiff davon, das noch existiert. Die Linien stammen vom Architekten Caesar Pinnau, und die Schiffe dieser Serie nannte man die weißen Schwäne des Südatlantiks. Im März 1962 ging die Cap San Diego zu ihrer ersten Fahrt nach Südamerika in See. Bis 1981 fuhr sie im Liniendienst zwischen Europa und der Ostküste Südamerikas und machte dabei 120 Fahrten hin und zurück.

Vom Frachter zum Museum
Als in den 1980er Jahren Containerschiffe die meisten Stückgutfrachter ablösten, war auch für die Cap San Diego die Zeit auf der Südamerika-Linie vorbei. 1981 verkaufte die Hamburg Süd sie an eine spanische Reederei, 1982 wurde sie in San Diego umbenannt. Im Frühjahr 1986 kaufte eine Reederei aus Liberia das Schiff und gab ihm den Namen „Sangria“.
Ihre Schwesterschiffe wurden nacheinander abgewrackt, und auch die „Sangria“ sollte in Hongkong verschrottet werden. Im August 1986 kaufte die Stadt Hamburg sie im letzten Moment und ließ sie nach Cuxhaven überführen. Sie bekam ihren Namen Cap San Diego zurück. Am 31. Oktober 1986 lief sie in Hamburg ein. Das Museumsschiff zählt seine Geschichte ab 1986, deshalb feiert es in diesem Jahr 40 Jahre. Im August 1987 räumten zahlreiche Freiwillige das Schiff auf und reparierten es, danach ging es zur Generalüberholung in Dock 15 der Werft HDW.
1988 übernahm die Stiftung Hamburger Admiralität das Schiff. 1990 wurde es nach umfangreichen Umbauten für die Museumsnutzung von Neumühlen an die Überseebrücke verholt, wo es bis heute liegt. 2001 verlieh ihr der World Ship Trust den Maritime Heritage Award, und seit dem 1. Dezember 2003 steht sie als bewegliches Denkmal unter Denkmalschutz.
Heute ist die Cap San Diego das einzige Schiff ihrer Serie, das noch existiert. Mit 159,4 Metern Länge gilt sie nach Angaben des Museumsschiffs als das größte fahrtüchtige Museums-Frachtschiff der Welt, und wer mag, kann in einer der Originalkabinen übernachten. Zum Doppeljubiläum lud sie am 19. September zu einem Open Ship mit freiem Eintritt ein, von der Brücke bis in den Maschinenraum.


Mein Blick auf die Cap San Diego
Auf dem Wasser sieht man das Schiff ganz anders als vom Kai aus. An Bord sind die Details nah: die Glocke, die rote Linie am Rumpf, das braune Elbwasser, das an der Bordwand aufschäumt. Die Crew trägt rote Overalls, die im Abendlicht fast leuchten, und die Hamburger Flagge steht im Wind.




Im Salon stehen gestreifte Sessel unter einer langen Fensterreihe, mit Blick nach draußen auf das Wasser.

Abendlicht auf der Elbe
Je später es wurde, desto goldener das Licht. Die Rettungsboote warfen lange Schatten, die Sonne stand hinter dem Mast, und in der Nähe der Elbphilharmonie ging sie unter. Zum Schluss zeichnete sich die Skyline als dunkle Silhouette vor einem orangefarbenen Himmel ab. Vom Wasser aus sah ich den Michel noch einmal im letzten Licht.




Wenn du magst
Mehr aus dem Hafen findest du in meinen Beiträgen zum Stintfang, zum Alten Elbtunnel und zur Elbphilharmonie. Weitere Bilder zeige ich in meinem Portfolio, ausgewählte Motive gibt es als Drucke im Shop.
Mehr von meinem Blick auf Hamburg findest du auf Instagram unter @felicitys_view. Für Bildanfragen, Lizenzen oder Projekte schreib mir gern.

Kommentare