Der Alte Elbtunnel: Hamburg unter Wasser
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Der Alte Elbtunnel ist einer der wenigen Orte in Hamburg, an denen man spürt, dass über einem die Elbe fließt. Er ist über hundert Jahre alt und hat unten einen ganz eigenen Klang. Trotzdem laufen viele an den Landungsbrücken jeden Tag an ihm vorbei, ohne einmal reinzugehen.
Ein Tunnel wie aus einer anderen Zeit
Die alten Fahrstühle, die Kacheln, das Licht der runden Lampen: Unten wirkt es, als hätte die Zeit den Tunnel ausgelassen. Ich mag diesen Bruch. Mitten in einer modernen Hafenstadt läuft man durch einen Gang, der noch aussieht wie vor über hundert Jahren.

115 Jahre unter der Elbe
Eröffnet wurde der St. Pauli-Elbtunnel am 7. September 1911. Der Grund war ganz praktisch. Immer mehr Menschen mussten von St. Pauli zu ihrer Arbeit im Hafen und auf den Werften in Steinwerder, und die Fähren kamen nicht mehr hinterher. Gebaut wurden zwei Röhren, jede 426,5 Meter lang, in 24 Metern Tiefe. Hinunter geht es bis heute über die Schachthallen mit ihren großen Aufzügen.

Für die Hafenarbeiter wurde der Tunnel zum täglichen Arbeitsweg, zeitweise gingen bis zu 20 Millionen Menschen im Jahr hindurch. Der Bau war gefährlich. Unter der Elbe wurde mit Überdruck gearbeitet, drei Arbeiter starben an der Caissonkrankheit, zwei weitere bei Unfällen.

Heute bleiben viele unten stehen, um die Symmetrie der Röhren zu fotografieren oder die kleinen Reliefs an den Wänden, etwa alle zehn Meter eins. Dabei vergisst man schnell, dass hier früher Millionen Menschen ganz normal zur Arbeit gegangen sind. Die Oströhre ist nach langer Sanierung seit April 2019 wieder offen, die Weströhre seit dem 4. Mai 2026. Zum 115. Geburtstag kann man also wieder durch beide gehen.
1959 bekam der Tunnel sogar Rolltreppen, damals die längsten freitragenden in Deutschland. 1993 wurden sie wieder ausgebaut.
Was mich an den Kacheln und dem Licht fasziniert
Wenn ich unten bin, suche ich die Wiederholung der Kacheln und die Fluchtlinie des Gangs. Dazu das warme Licht der Lampen auf dem kalten Weiß der Wände. Mich interessiert die Struktur, die entsteht, wenn man den Gang entlangschaut.

Der Blick auf der anderen Seite
Auf der Steinwerder-Seite kommt man raus und hat plötzlich den ganzen Hafen vor sich, gegenüber die Landungsbrücken und die Skyline. Eben war es noch eng und unter der Erde, jetzt ist alles weit. Für diesen Wechsel gehe ich immer wieder hin.

Wenn du magst
Gleich oberhalb der Landungsbrücken liegt mein Lieblingsplatz für den Abend, der Stintfang. Mehr Bilder aus der Stadt findest du in meinem Portfolio, ausgewählte Motive gibt es als Drucke im Shop.
Mehr von meinem Blick auf Hamburg findest du auf Instagram unter @felicitys_view. Für Bildanfragen, Lizenzen oder Projekte schreib mir gern.


Kommentare