360° Rathaus: wenn ein Blick nicht reicht
Aktualisiert: 13. Okt.
Der Rathausmarkt gehört zu den meistfotografierten Plätzen Hamburgs. Ich wollte ihn trotzdem nicht frontal zeigen, so wie man ihn schon hundertmal gesehen hat. Daraus kam die Idee zum 360°-Bild: ein Platz, der von jeder Seite etwas anderes erzählt.

Warum ein Bild manchmal nicht reicht
Das Rathaus selbst, die Alsterarkaden, die Fassaden ringsherum und die Leute, die über den Platz gehen: In der klassischen Frontalansicht fehlt die Hälfte davon. Beim 360°-Blick muss ich den ganzen Raum anschauen und kann mich nicht auf das eine Motiv verlassen, auf das alle zeigen.
Der Rathausmarkt als Bühne
Je nach Uhrzeit ist der Platz ein anderer. Morgens ist er fast leer, mittags laufen Termine und Stadtführungen darüber, abends liegt warmes Licht auf den Fassaden. Für das 360°-Motiv brauche ich einen Moment, in dem sich wenig bewegt. Den finde ich meistens früh am Morgen oder spät am Abend.

Das Rathaus in Zahlen
Gebaut wurde das Rathaus zwischen 1886 und 1897. Es steht auf mehr als 4.000 Eichenpfählen, der Turm ist 112 Meter hoch, und drinnen gibt es 647 Räume. Mich interessieren aber eher die Details. Kaum ein Gebäude in Hamburg zeigt seine Geschichte so offen, man muss nur einmal nach oben schauen.

Details, die man leicht übersieht
Über dem Hauptportal sitzt das große Hamburger Staatswappen mit der weißen Burg und den drei Türmen. Am Portal zum Alten Wall halten zwei Figuren Rutenbündel, sogenannte Fasces, die im alten Rom für Rechtsprechung und Staatsgewalt standen. Ganz oben auf der Turmspitze sitzt ein vergoldeter Reichsadler.

Der Hygieia-Brunnen im Innenhof erinnert an die Cholera von 1892. Geplant war dort zuerst eine Figur des Handelsgottes Merkur. Nach der Epidemie hat man sich für Hygieia entschieden, die Göttin der Gesundheit. Der Brunnen hatte auch eine praktische Aufgabe, über ihn wurde Luft für die Belüftung des Rathauses angesaugt. Und wer an der Turmuhr genau hinschaut, sieht die Vier als „IIII“ geschrieben, in der alten Uhrmacher-Schreibweise.
Noch mehr Geschichten, auf dem Dach und drinnen
Auf dem Dach stehen unter anderem der Erzengel Michael, Schutzpatron der Hauptkirche St. Michaelis, mit erhobenem Schwert über dem Drachen, und die heilige Katharina von Alexandrien mit Rad, Schwert und Palmzweig. Beide stehen für Hamburgs alte Hauptkirchen.
Im Phönixsaal finden einmal im Monat standesamtliche Trauungen statt. Der Name passt, der Phönix steht für Wiedergeburt. Unter ihm zeigt ein Medaillon das alte Rathaus, das beim Großen Brand von 1842 abgebrannt ist, darüber das Wort „Resurgam“, lateinisch für „Ich werde wieder auferstehen“. Nach dem Brand wurde ein großer Teil der Innenstadt neu gebaut, und das heutige Rathaus ist davon das sichtbarste Ergebnis.
Wie das Bild entsteht
Am Ende steht kein einzelner Auslöser. Ich mache mehrere Aufnahmen vom ganzen Platz und setze sie zu einem Bild zusammen. Das ist mehr Arbeit als ein normales Foto, dafür sieht man den Rathausmarkt so, wie ihn die wenigsten kennen.

Wenn du magst
Wie ich Hamburg sonst fotografiere, steht in Mein Blick auf Hamburg. Weitere Architekturbilder findest du in meinem Portfolio, ausgewählte Motive gibt es als Drucke im Shop.
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